TÜV AUSTRIA-zertifizierte Ingenieur:innen sind die Antwort auf den Fachkräftemangel. Auf Basis einer technischen Grundausbildung und entsprechender Berufserfahrung durchlaufen sie das Zertifizierungsverfahren, in dem ihnen die Qualifikation als Ingenieur:innen bestätigt wird. Die Qualifikation auf NQR 6-Niveau genießt national und international Ansehen.
Wie können Sie heute von Ihrer technischen Ausbildung profitieren?
Meine technische Ausbildung bildet bis heute die Grundlage für nahezu alle meine beruflichen Tätigkeiten. Begonnen habe ich mit einer Lehre zum Elektrobetriebstechniker bei der Johannes Zimmer Maschinenbau GmbH, die ich von 2007 bis 2011 absolviert habe. Dadurch habe ich Technik von Beginn an sehr praxisnah kennengelernt und früh gelernt, technische Zusammenhänge nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern auch in der Praxis anzuwenden.
Nach meinem Präsenzdienst bei der Militärmusik Kärnten habe ich mich kontinuierlich weitergebildet. Es folgten die Werkmeisterschule für Elektrotechnik am WIFI Kärnten, ein Studienbefähigungslehrgang sowie anschließend das Bachelorstudium „Systems Engineering“ und das Masterstudium „Industrial Engineering and Management“ an der FH Kärnten in Villach.
Beruflich bin ich seit 2015 am Klinikum Klagenfurt tätig. Begonnen habe ich dort in der Instandhaltung, unter anderem mit elektrotechnischen Anlagenüberprüfungen, Wartungstätigkeiten am fahrerlosen Transportsystem, den hauseigenen Netzersatzanlagen sowie dem 20-kV-Mittelspannungsnetz, für das ich auch heute noch schaltberechtigt bin.
Im Laufe der Jahre haben sich meine Aufgabenbereiche deutlich weiterentwickelt. Mittlerweile liegen meine Schwerpunkte vor allem im vorbeugenden Brandschutz, in Fragen der technischen Sicherheit sowie im Business Continuity Management. Zusätzlich bin ich als stellvertretender Flugplatzbetriebsleiter tätig. Gerade diese Entwicklung innerhalb eines großen technischen und organisatorischen Umfelds zeigt mir immer wieder, wie wertvoll eine breite technische Ausbildung und die Bereitschaft zur laufenden Weiterbildung sind.
Gerade weil mir eine fundierte Aus- bzw. Weiterbildung in Verbindung mit praktischer Erfahrung besonders wichtig ist, bin ich nebenberuflich auch am WIFI Kärnten als Trainer im Bereich Elektrotechnik tätig. Dort unterrichte ich unter anderem in Vorbereitungskursen für Lehrabschlussprüfungen im Bereich Elektrotechnik, im Bereich der elektrotechnischen Sicherheitsvorschriften sowie in der Werkmeisterschule für Elektrotechnik. Besonders freut es mich, dass ich in der neu gestarteten ersten Klasse der Werkmeisterschule aktuell auch als Klassenvorstand tätig bin. Das hat für mich schon eine besondere Bedeutung, weil ich genau diese Ausbildung vor einigen Jahren selbst absolviert habe. Damals saß ich dort noch als Teilnehmer – heute darf ich mein Wissen, meine Erfahrungen aus der Praxis und hoffentlich auch ein Stück Begeisterung für die Elektrotechnik an die nächsten Teilnehmer weitergeben. Damit schließt sich für mich tatsächlich ein schöner Kreis.
Darüber hinaus engagiere ich mich als Prüfer bei Lehrabschlussprüfungen im Bereich Elektrotechnik. Dabei bin ich sowohl als Vorsitzender als auch als Dienstnehmerbeisitzer der Prüfungskommission tätig und übernehme Verantwortung bei der abschließenden Bewertung und Qualitätssicherung der fachlichen Ausbildung. Zusätzlich bin ich auch als Fachexperte bei Ingenieurzertifizierungen an der TÜV AUSTRIA Akademie tätig.
Betrachtet man somit meinen bisherigen beruflichen Werdegang mit meinen heutigen Funktionen und Tätigkeiten, wird für mich rückblickend auf die eigentliche Frage sehr deutlich, wie sehr ich nach wie vor von meiner gesamten technischen Ausbildung profitiere. Sie bildet gemeinsam mit meiner langjährigen praktischen Erfahrung die Grundlage dafür, technische Zusammenhänge nicht nur zu verstehen und anzuwenden, sondern dieses Wissen auch praxisnah weiterzugeben, fachliche Kompetenzen fundiert zu beurteilen und Menschen in ihrer beruflichen Entwicklung zu begleiten.
Welchen Stellenwert hat die Qualifikation „Ingenieur“ in Ihren Augen?
Einen sehr hohen. Für mich steht die Qualifikation „Ingenieur“ für die Verbindung von fundiertem technischem Wissen, langjähriger Berufspraxis und der Fähigkeit, komplexe Aufgaben selbstständig und verantwortungsvoll zu lösen.
Gerade diese Verbindung zwischen Theorie und praktischer Anwendung macht den besonderen Wert des Ingenieurs aus. Durch die Einordnung auf Niveau 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens ist die Qualifikation zudem klar eingeordnet und auch international gut vergleichbar.
Durch meine Tätigkeit als Fachexperte bei Ingenieurzertifizierungen erlebe ich heute auch aus einer anderen Perspektive, wie viel fachliche Kompetenz, praktische Erfahrung und Verantwortung hinter dieser Qualifikation stehen.
Was waren Ihre Beweggründe, zum Zertifizierungsverfahren zum Ing. anzutreten?
Mir war wichtig, meinen bisherigen beruflichen Weg auch formal sichtbar zu machen und dabei die Verbindung zwischen meiner praktischen Ausbildung, meiner langjährigen Berufserfahrung und meiner akademischen Weiterbildung herzustellen.
Unvergesslich bleibt für mich die erste Juli-Woche 2021: Am Montag, den 5. Juli, hatte ich das Ingenieur-Fachgespräch – und nur zwei Tage später, am Mittwoch, den 7. Juli, stand ich in der Master-Prüfung. Innerhalb von 48 Stunden konnte ich somit zwei für mich sehr bedeutende Meilensteine erreichen – die Ingenieurqualifikation und den Abschluss als MSc.
Wie ist es Ihnen beim Zertifizierungsverfahren ergangen?
Ich habe das Zertifizierungsverfahren als sehr professionell und gleichzeitig angenehm empfunden. Natürlich beschäftigt man sich im Vorfeld intensiv mit dem eigenen beruflichen Werdegang und überlegt sich sehr genau, welche Projekte und Tätigkeiten die eigenen Kompetenzen am besten widerspiegeln.
Gerade diese Vorbereitung fand ich im Nachhinein sehr wertvoll. Im Berufsalltag nimmt man viele Entwicklungen irgendwann als selbstverständlich wahr. Im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens setzt man sich jedoch noch einmal bewusst damit auseinander, welche Aufgaben man bereits übernommen hat, welche Verantwortung damit verbunden war und wie sehr man sich fachlich und persönlich weiterentwickelt hat.
Das Fachgespräch selbst habe ich als sehr praxisorientiert erlebt. Es ging für mich weniger darum, angelerntes theoretisches Wissen wiederzugeben, sondern vielmehr darum, anhand der eigenen Berufspraxis technische Zusammenhänge, Entscheidungen und Lösungswege nachvollziehbar darzustellen.
Die Gesprächsatmosphäre war angenehm und wertschätzend. Dadurch konnte ich meine Erfahrungen und meine damaligen Tätigkeitsbereiche sehr gut darstellen. Insgesamt ist mir das Zertifizierungsverfahren daher ausgesprochen positiv in Erinnerung geblieben.
Rückblickend kann ich jedem, der die Voraussetzungen erfüllt und über entsprechende technische Berufserfahrung verfügt, empfehlen, sich mit dem Ingenieur-Zertifizierungsverfahren auseinanderzusetzen. Es ist eine schöne Möglichkeit, die über viele Jahre erworbenen beruflichen Kompetenzen sichtbar zu machen und offiziell anerkennen zu lassen.


